Fastnachtshexe

Eine Figur der schwäbisch-alemannischen Fastnacht ist auch beim Straßenkarneval in Köln oder Mainz anzutreffen und zwar die Hexe, genauer die Fastnachtshexe. Allerdings ist die beliebte Narrenfigur der Fasnacht in Süddeutschland schon von Kostüm und der Maske kaum mit denen weiter nördlich zu vergleichen. Daher soll die Fastnachtshexe hier auch vorgestellt werden.

Geschichte der Fastnachtshexe

Ihr Ursprung lässt sich nicht mehr so genau deuten. Allerdings gab es Vorläufer dieser heute noch so beleibten Figur bereits im Mittelalter. Damals waren es allerdings Männer, die in Frauenkleidern steckten und so kostümiert das Motto Verkehrte Welt darstellen wollten. Die älteste erhaltene Maske einer Hexenfigur stammte allerdings nicht aus dem Mittelalter, sondern aus der Neuzeit. Diese Maske stammt aus Tirol und wird ins 18. Jahrhundert datiert, es ist eine alte Hexenmutterlarve. Noch heute gibt es in der Tiroler Fastnacht Hexenfiguren.

Aus dem 19. Jahrhundert stammte dann die Beschreibung der Furtwanger Hexe. Und Hexen in anderen Orten. Diese Hexen waren meist Figuren der unorganisierten bäuerlichen Fasnet, zu deren Handwerk neben dem Besenumtrieb auch das Rußeln gehören konnte, wie es heute noch von Rußhexen in Empfingen ausgeführt wird.

Älteste Hexen der schwäbisch-alemannischen Fasenet

Als älteste Fastnachtshexen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht mit den heute üblichen Holzmasken gelten zwei Figuren aus der Ortenau (die Offenburger Hexe und die Gengenbacher Hexe), sowie die Löffinger Hexe aus dem Hochschwarzwald, die dort jeweils Mitte der 1930er Jahre eingeführt wurden.

Die Hexenfigur heute

Inzwischen gehören Hexen zum Bild der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Es gibt auch Hexenzünfte.

Waren Märchen die Vorbilder für die Fastnachtshexe?

Wer kennt sie nicht, die Märchen mit der Hexe als Hauptfigur, wie bei Hänsel und Gretel, wo diese allerdings im Backofen landet. Nicht unwahrscheinlich, dass die Fastnachtshexenfiguren unserer heutigen Zeit auf diese bekannten Märchen zurückzuführen sind. Von den Hexengilden wird häufig auch auf eine lokale Überlieferung von Ereignissen der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung verwiesen. Als Anregung für die Namen und die Gestaltung der Figuren wird gerne auf überlieferte lokale Sonderlinge und Originale zurückgegriffen, im Zollernalbkreis hingegen auf historische Hexenprozesse. So beziehen sich die Murschel-Hexen in ihrer Tradition auf einen Freispruch, die Hexen der Hexenzunft Obernheim e.V., gegründet wurde diese Zunft allerdings erst im Jahre 1939, berufen sich auf einen historischen Hexenprozess, der mit einer Hinrichtung endete.

Murschel-Hexen

HexenmaskeDie Murschel Hexen haben sich nach Anna Murschel benannt, eine Frau, die im 16. Jahrhundert in Balingen der Hexerei bezichtigt wurde. Sie wurde intensiv gefoltert (peinlich befragt), aber ihre Folterknechte konnten ihr kein Gesätndnis entlocken. Nach 596 Tagen Haft wurde Anna Murschel wieder auf freien Fuß entlassen.

 

Kostüme der Fastnachtshexen

Die meisten Hexen tragen Strohschuhe, Ringelsocken, weiße Bauernunterwäsche, einen Rock und eine Jacke. Ebenso wird die Figur von einer Holzmaske abgeschlossen. In einzelnen Fällen wird das Gesicht auch angemalt oder mit einer Draht- oder Stofflarve (-maske) verhüllt. Dazu trägt die Hexe einen Besen. Hexen haben längst auch die anderen Faschingsregionen erreicht und so gibt es inzwischen auch deutlich einfacher gehaltene Hexenkostüme für Kinder. Diese lassen sich aber bei weiten nicht mit den traditionellen Kostümen der Hexen in Süddeutschland vergleichen.

Figuren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

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