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Fasnetsfiguren |
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Ich hab da mal ne Frage an die kritische Hex:
Wie ist das eigentlich mit den Figuren, die ein Häs darstellt? Was wird denn als traditionell bezeichnet und was ist einfacher Neuzeitkruscht?
Gilt ein Häs, wenn es durch eine Geschichte an einen Ort gebunden werden kann als traditionell?
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| Beitrag vom 24.12.2007 - 07:17 |
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Ich würd ein Häs als traditionell anschauen, wenn es sich vom Aussehen, Material und Aufwand bzw. verwendete Materialien an alte (vorkrieg) Zünfte anlehnt.
Ein Teufel mit afrikanischen Hörnern sieht vieleicht toll aus, kann aber nicht so traditionell sein.
Im schwäbischen sind auch eher die schlichten Masken traditionell, die aufwendigen Farbverläufe bei den Masken kamem erst später.
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| Beitrag vom 24.12.2007 - 16:24 |
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Tradition wirst Du nicht an einer Jahreszahl festmachen können.
Denn hier ist vor allem relevant, wie man "Tradition" definiert. Um diesen Begriff hat sich die Volkskunde lange und intesivst Gedanken gemacht. Was ist Tradition? Tradition ist in aller erster Linie mal vom Wortsinn her eine Überlieferung, eine Weitergabe von Handlungsmustern. Der Begriff allerdings wird heute unter Laien meist bei Bräuchen benutzt und oftmals bis zur Nicht-Mehr-Erträglichkeit gequält. Ist aber ein bisschen anderes Phänomen, daher will ich hier nicht mehr drauf eingehen.
Trotzdem spielt das bei Deiner Frage mit rein: Was heißt denn ein tradiertes Häs?
Tradition wurde in der Fachdiskussion meist der Metapher Fund und Erfindung umschrieben. Den Begriff nutzte man zunehmend skeptischer. Mittlerweile nutzt man den Begriff in einem Atemzug mit
invention of tradition. Damit ist gemeint, dass heute vieles, was wir für Tradition halten, erfundene Tradition ist. Dabei geht man davon aus, dass die "bürgerliche Kultur- und Geschichtsarbeit spätestens seit der Aufklärung von der Vorstellung bestimmt gewesen sei, das Wissen um historische Wurzeln und die Formen ihrer kulturellen Überlieferung seien in den Gesellschaften der europäischen Moderne im Begriff verloren zu gehen. So gelte es, diese Traditionen wieder zu bekräftigen, sie notfalls neu zu beleben, um die entstandenen kulturellen Brüche und Risse praktische Traditionspflege zu überbrücken (Zitat aus Kaschuba, Wolfgang: Einführung in die Europäische Ethnologie, S. 170).
Um das abzukürzen und zu erklären: Das Mittelalter war sich einem Traditionsdenken, wie wir es heute entwickelt haben, nicht verpflichtet, hielt es für nichts Besonderes. Erst seit der der Aufklärung entsteht eine Art Denken ums kulturelle Erbe.
D.h. unsere Häser, wie sie heute getragen werden, sind größtenteils wieder eingeführt, oder gar neu erfunden. Das geschah größtenteils im 20. Jahrhundert.
Hier ist das Fleckle- oder Spättlehäs als erstes zu nennen. Jeder dritte Narr oder so hat ein Spättlehäs. Abgeguckt von anderen usw. Ursrpünglich kommt dieses Häs wohl daher, dass es billig war. Man nähte zig Stofffetzen auf einen Anzug, und hatte so ein Häs. Nach er Fastnacht riss man die Spättle wieder runter, und man konnte den Anzug wieder benutzen... Ursprünglich zu suchen ist das wohl in den ländlichen Regionen. Man kann es als traditionell bezeichnen, aber immer wissend, dass es auf alten Quellen beruht, und dann verändert wieder eingeführt wurde.
Mit dem geht dann auch einher, was in den 1960er schwer diskutiert wurde: Folklorismus. Eigentlich ist nichts mehr original, man erlebt bei Trachtenumzügen, Fastnacht usw. nur noch "Volks- und Brauchtum" aus zweiter Hand. Neu erfunden...
Damit verschwimmt eben auch der Begriff "Brauch". Es gibt nur noch wenige "Bräuche", die ohne Zuschauer funktionieren. Dies enstspräche dem Begriff Brauch. Was wir mit Zuschauern machen, sind im engen Sinne keine Bräuche mehr, sondern eigentlich nur Feste/Events, wie auch immer. Man könnte hier ewig schreiben, deshalb hör ich mal damit auf.
Es gibt allerdings einige wenige Narrenkleider, die wohl in nur leicht veränderter Form eine recht lange "Tradition" haben. Das sind die der Weisnarren, allen voran die aus Rottweil. Die Bemalungen der bekannten Häser aus dem ausgehenden 18. Jhdt. zeigen Motive, die ein mittelaltericher Mensch verstanden hätte, ein moderner hat damit seine Schwierigkeiten. Bsp.: Der Türke... Beispiel für den Unglauben, Abkehr von Gott (dem christlichen wohlgemerkt). Der Türke war bis ins 17. Jdht. eine Bedrohung fürs Abendland, als bestes Beispiel die Belagerung Wiens 1783 durch die Türken. Er war den Menschen gegenwärtig, bekannt. Und ein Ungläubiger, ein Heide (man beachte den anderen Thread zu "heidnisch").
Die Häser kann man wohl als traditionell bezeichnen, auch wenn sich das Häs durch die Expansion der Fastnacht im 20. Jhdt. deutlich weiterentwickelt hat.
Als Neuzeitkrutscht würde ich eigentlich keines bezeichnen, denn in "Kruscht" schwingt schon was negatives mit. Alleine diese Aussage zeigt das "Wesen" der Fastnacht: Alt muss es sein! (nicht böse gemeint, Schulti). Legitimation der heutigen Fastnacht: Je älter, desto besser.
Dann kommt noch "je edler desto besser", also es müssen bitte schon Holzmasken sein (Wir nennen das "Ästethisierung"). Mitterweile kommt es langsam auf, dass "je hässlicher und gruseliger, desto besser". Ich nenne das die "Ästethisierung des Hässlichen". Das zeigt sich besonders an den Krampus, die seit eingiger Zeit an Fastnacht auftauchen.
Offenbar haben wir Narren Geltungssucht. Wir müssen uns abheben von anderen, egal wie.
Meine ganz eigene Meinung: Manche Häser gefallen mir, manche weniger. Ein bisschen traurig finde ich, dass bei vielen Häsern, und ganz besonders Hexenfiguren, kaum Kreativität mehr am Werk war, sich kaum mehr Gedanken gemacht wurde, wie das denn aussieht. Bis auf verschiedene Farben sehen doch alle gleich aus, mal so, mal so. Was wirklich originelles ist das selten dabei... aber was soll's.
So, vieles in einem Beitrag... und vieles ungenau. Man müsste Unmengen schreiben, damit vieles klar wird. Und bevor man das hier liest, kann man es auch gleich an anderen Stellen nachlesen.
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| Beitrag vom 26.12.2007 - 20:16 |
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Ich weiß jetzt nicht, wer das mal zu mir sagte, aber er meinte, daß in der schwäbisch-alemannischen Fasnet eigentlich eher schlichte Masken zum Einsatz kamen.
Ich weiß jetzt nicht, wie die Figuren heißen, die mit Saublasen und Schellen umherziehen.
So kunstvoll geschnitzte Masken, die im Besonderen von Hexen getragen werden, findet man, je weiter man in Richtung Basel geht, eher weniger.
Diese Hervorhebungssucht die du angesprochen hast, findet man immer öfter. Es ist aber auch normal, wenn man bedenkt, wie die Zahl der Vereine und Clubs in den letzten Jahren angestiegen ist. Nach meiner Meinung ein wenig zu stark. Aber egal...
Es wird wohl kaum Überlieferungen zum Thema Häser und Bräuche aus dem 17. oder 18. Jahrhundert geben. Es bleibt den heutigen Vereinen also fast nichts anderes übrig, als die Bräuche neu zu erfinden. Vielleicht ist nicht alles so, wie es einmal war, aber es besteht immerhin die Chance, daß ein wenig der traditionellen Gebräuche und Häser übrigbleibt.
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| Beitrag vom 26.12.2007 - 20:28 |
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Zitat Original geschrieben von kritische Hex
bevor man das hier liest, kann man es auch gleich an anderen Stellen nachlesen. |
Das hier ist die Antwort aus bestimmt eineigen guten Quellen, so ists einfacher nachzulesen.
Zum Häs ansich, würd ich ein kreatives Häs einem spektakulären vorziehen und auf LED's und neonfarben verzichten, dann passt das schon.
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| Beitrag vom 26.12.2007 - 20:29 |
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Schorsch |
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Gast
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Dabei seit: 08.09.2010
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Für mich ist ein Häs dann ein Häs, wenn es
1.zur Fasnacht/Fasnet/wie auch immer getragen wird
2.das einheitliche Kostüm/ eines der einheitlichen Kostüme einer Zunft oder Guggenmusik ist
3.es sich an loaklen oder historischen Vorbildern anlehnt (auch Kleinigkeiten, kann am Bodensee z.B. eine Möwe oder ein Alet sein)
Ist das Häs also loakl verwurzelt und von einer Zunft, ist es für mich ein Häs. Das kann ruhig auch mal was moderneres sein oder von einer neuen Zunft stammen, ein afrikanischer Elefant oder Teufel zählt aber für mich sicher nicht dazu 
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| Beitrag vom 26.05.2010 - 20:14 |
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